Das Gedächtnis
Frauendiffamierung ist eine Grundstruktur, keine Serie von Einzelfällen. Belegen lässt sich das nur mit Längsschnittdaten, und die gibt es bisher nicht. Das Gedächtnis sammelt anonymisierte Fallverläufe, die Betroffene nach Abschluss freiwillig spenden, und zeigt, was sich wiederholt: Anlässe, Kanäle, Erzählmuster, die Rolle der Medien und die Rolle des Umfelds.
Lagebericht aus dem Archiv
Das Dashboard wertet die gespendeten Fallverläufe aus. Filtern Sie nach Land, Berufsfeld und Jahr. Jede Zelle mit weniger als fünf Fällen wird unterdrückt, damit sich kein Einzelfall zurückverfolgen lässt. Dieselbe Regel gälte im Betrieb.
Beispieldaten Mediane statt Mittelwerte, weil einzelne sehr lange Verläufe den Durchschnitt verzerren.
Anlässe
Was der Kampagne unmittelbar vorausging. Anzahl Fälle und Anteil.
BeispieldatenWerte als Tabelle
Kanäle
Über welche Kanäle die Kampagne lief. Mehrfachnennung, Anteil an allen Fällen.
BeispieldatenWerte als Tabelle
Zeit bis zur Wiederherstellung nach Reaktion des Umfelds
Monate bis zur Rückkehr in den früheren beruflichen Handlungsspielraum, nach Selbsteinschätzung. Jeder Punkt ein Fall, der Strich markiert den Median.
BeispieldatenWerte als Tabelle
Gespendete Fälle pro Jahr des Kampagnenbeginns
Berücksichtigt die Filter Land und Berufsfeld. Ein gewähltes Jahr wird hervorgehoben. 2026: Januar bis August.
BeispieldatenWerte als Tabelle
Nur im Prototyp: synthetische Einzeldatensätze zur Prüfung der Berechnung
Im Betrieb wären Einzeldatensätze nie öffentlich sichtbar. Hier stehen sie, damit sich die Rechenwege der Diagramme nachvollziehen lassen. Alle Datensätze sind erfunden.
Wie eine Kampagne verläuft
Kampagnen folgen einer wiederkehrenden Abfolge. Nicht jeder Fall durchläuft jede Phase. In den Beispieldaten bleibt die Reihenfolge meist gleich. Die Anteile beziehen sich auf alle 80 Beispielfälle. Zu jeder Phase steht, wo eine Intervention am meisten bewirkt.
Beispieldaten Die Anteile sind aus dem synthetischen Datensatz berechnet.
Sechs wiederkehrende Erzählmuster
Diffamierung greift auf wenige Rollen zurück, die Frauen zugeschrieben werden. Die Muster sind alt, neu sind nur die Kanäle. In einem Fall treten meist mehrere Muster zugleich auf. Die Häufigkeit gibt an, in wie vielen der 80 Beispielfälle das Muster codiert wurde.
Beispieldaten Die Formulierungsbeispiele sind erfunden. Sie veranschaulichen nur das jeweilige Muster.
Eine Fallakte spenden
So könnte eine Betroffene einen abgeschlossenen Fall beitragen. Der Ablauf ist eine Demonstration: Es wird nichts übermittelt und nichts gespeichert.
Schritt 1 von 4 · Einwilligung
Das Gedächtnis funktioniert nur, wenn Betroffene ihm vertrauen. Deshalb gelten vier Grundsätze, die Sie einzeln bestätigen.
- Freiwillig. Eine Spende ist nie Voraussetzung für Beratung, Unterstützung oder Mitgliedschaft.
- Widerrufbar bis zur Aggregation. Bis Ihr Fall in eine Jahresauswertung einfliesst, können Sie ihn mit Ihrem Widerrufsschlüssel vollständig löschen lassen. Danach ist er nur noch als Teil von Summen enthalten und nicht mehr einzeln auffindbar.
- Zweckgebunden. Die Daten werden ausschliesslich für die Forschung und den jährlichen Lagebericht verwendet. Keine kommerzielle Nutzung, kein Training von Sprachmodellen Dritter.
- Nur abgeschlossene Fälle. Gespendet wird erst, wenn die akute Phase vorbei ist. Laufende Verfahren werden nicht aufgenommen.
Bitte bestätigen Sie die vier ersten Punkte, um fortzufahren.
Schritt 2 von 4 · Was bleibt, was verschwindet
Links steht, was eine Betroffene über ihren Fall erzählen könnte. Rechts steht, was davon im Archiv ankommt. Freitext wird nie gespeichert: Er wird nur für die Codierung gebraucht und danach verworfen.
Am 14. März 2024 veröffentlichte der Blog «Klartext Ennetsee» einen Beitrag über Dr. Selma Rastgeber, die kurz zuvor zur Institutsleiterin an der Hochschule Ennetsee gewählt worden war. Titel: «Wer so Karriere macht, hat andere Qualitäten».
Innert drei Tagen teilten rund 40 Konten, darunter @wahrheit_see und @ennet_insider, den Beitrag auf sozialen Netzwerken. Mehrere Zuschriften an die Hochschulleitung forderten eine Untersuchung. Das «Seetaler Tagblatt» übernahm die Vorwürfe am 21. März ohne Stellungnahme der Betroffenen.
Die Hochschule schwieg fünf Wochen lang. Die Anwältin Petra Imgrüt erwirkte eine Gegendarstellung, die erfolgreich war. Kosten: CHF 3’800. Erst nach elf Monaten fühlte sich die Betroffene wieder im alten Handlungsspielraum.
https://klartext-ennetsee.example/2024/03/andere-qualitaeten
- Beginn
- 03/2024
- Land
- CH
- Berufsfeld
- Wissenschaft
- Anlass
- Beförderung oder Wahl
- Tätertyp
- Netzwerk
- Kanäle
- Soziale Netzwerke, Zuschriften an Arbeitgeber, Onlinemedien, Print und Rundfunk
- Medien
- übernommen
- Erzählmuster
- die Berechnende, die Unmoralische
- Umfeld
- Schweigen
- Akute Phase
- 5 Wochen
- Wiederherstellung
- 11 Monate
- Recht
- Gegendarstellung oder Löschbegehren · erfolgreich
- Kosten
- unter 5’000
| Entfernt | Verallgemeinert | Bleibt |
|---|---|---|
| Namen von Personen, Konten, Medien und Kanzleien · Arbeitgeber · Orte · exakte Tagesdaten · Zitate · Links und Kennungen · Freitext | Datum zu Monat und Jahr · Funktion zu Berufsfeld · Beträge zu Kostenstufen · Dauern auf ganze Wochen und Monate | Land · Anlass · Kanäle · Tätertyp · Medienbeteiligung · Erzählmuster · Reaktion des Umfelds · rechtliche Schritte und Ausgang |
Warum auch Zitate verschwinden: Ein wörtliches Zitat lässt sich über jede Suchmaschine zum Originalbeitrag und damit zur Betroffenen zurückverfolgen. Das Erzählmuster, das darin steckt, bleibt als Kategorie erhalten.
Schritt 3 von 4 · Wer darauf zugreift und wie
k-Anonymität: Auswertung erst ab fünf Fällen
Eine Zahl wird nur ausgewiesen, wenn mindestens fünf Fälle dieselbe Merkmalskombination teilen. Sonst erscheint sie als «unter 5». Das schützt vor Rückschlüssen, etwa bei einer Politikerin aus einem kleinen Kanton.
Speicherung und Weitergabe
- Speicherung ausschliesslich in der Schweiz oder in der EU, bei einem Anbieter ohne Zugriffspflicht gegenüber Drittstaaten.
- Keine Weitergabe an Plattformen, Medien, Arbeitgeber oder Behörden. Auch nicht auf Anfrage, soweit das Recht es zulässt; das Archiv hält nur, was ohnehin niemanden identifiziert.
- Kein Rückkanal zu Einzelfällen: Das Archiv kann keine Auskunft über eine bestimmte Person geben, weil es keine Namen kennt.
- Der Widerrufsschlüssel liegt nur bei der Spenderin.
Schritt 4 von 4 · Bestätigung
Zusammenfassung Ihrer Spende:
Lagebericht Diffamierung DACH 2027
Aus dem Archiv erstellt der Kreis einmal im Jahr einen Bericht. Er stützt sich auf Zeitreihen statt auf Einzelgeschichten und fragt: Was wiederholt sich, was verändert sich, und wo wirken Gegenmassnahmen? So könnte die erste Ausgabe aufgebaut sein.
Kapitelstruktur
- Lage in Zahlen. Fälle, Länder, Berufsfelder, Entwicklung seit 2019, mit ausdrücklicher Trennung von Häufigkeit und Spendebereitschaft.
- Verlaufsmuster. Phasen, Dauer der akuten Phase, Übergänge zwischen Plattform, Redaktion und Umfeld.
- Erzählmuster. Welche Rollen zugeschrieben werden und wie sie sich mit dem Anlass verbinden.
- Die Rolle der Medien. Übernahme und Initiierung, Quellenlage, Stellungnahmen der Betroffenen.
- Die Rolle des Umfelds. Arbeitgeber, Parteien, Hochschulen und Verbände: Rückendeckung, Schweigen, Distanzierung und ihre Folgen.
- Plattformen und Rechtsdurchsetzung. Meldewege, Löschquoten, Verfahren, Dauer und Ausgang.
- Kosten und Folgen. Finanzielle, berufliche und gesundheitliche Last, soweit die Spenden sie erfassen.
- Empfehlungen. Je Zielgruppe drei überprüfbare Massnahmen.
- Methodik und Grenzen. Stichprobe, Verzerrungen, Codierregeln, k-Anonymität.
Drei Kernaussagen, wie sie im Bericht stehen könnten
Für wen der Bericht ist
Anschluss an Recht und Forschung
EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen Umsetzung bis Juni 2027
Die Richtlinie (EU) 2024/1385 verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis Juni 2027 unter anderem Cyberstalking, Cybermobbing und die Aufstachelung zu Hass oder Gewalt im Internet unter Strafe zu stellen. Sie verlangt ausserdem, Daten zu erheben und Forschung zu fördern. Deutschland und Österreich müssen sie umsetzen. Das Gedächtnis könnte Befunde liefern, an denen sich die Umsetzung messen lässt.
Die Schweiz ist nicht gebunden. Alle drei Staaten haben aber die Istanbul-Konvention ratifiziert, deren Artikel 11 ebenfalls Datenerhebung und Forschung verlangt. Mit einem gemeinsamen Bericht lassen sich die drei Rechtsordnungen vergleichen.
Forschung zu gendered disinformation
Die internationale Forschung beschreibt geschlechtsspezifische Desinformation als Mittel, Frauen aus dem öffentlichen Raum zu drängen, etwa die Studie «The Chilling» von UNESCO und ICFJ (2021) zu Gewalt gegen Journalistinnen oder die Arbeiten des EU DisinfoLab. Der Digital Services Act zählt geschlechtsspezifische Gewalt zu den systemischen Risiken, die sehr grosse Plattformen bewerten müssen. Was fehlt, sind Verlaufsdaten aus dem deutschsprachigen Raum, die über einzelne Plattformen und Berufsgruppen hinausreichen. Diese Daten soll das Archiv sammeln.
Methodik: Alle Zahlen dieser Seite stammen aus einem synthetischen Datensatz von 80 erfundenen Fällen der Jahre 2019 bis 2026, der im Browser mit einem Pseudozufallsgenerator und festem Startwert (20260915) erzeugt wird. Die Zusammenhänge, etwa die längere Wiederherstellung bei Distanzierung des Umfelds, sind bewusst in das Modell eingebaut, um die Darstellung zu zeigen. Es sind keine realen Fälle, keine Forschungsergebnisse und keine Schätzungen. Die Seite übermittelt keine Eingaben und speichert nichts ausser der Wahl von Hell oder Dunkel. Rechtliche Angaben sind Einordnung, keine Beratung.
Stand: Prototyp, September 2026 · diffamierung.net